Hotels sind irgendwie ganz eigene Biotope und nicht selten unterhaltsame Studienplätze für Menschenfreunde und –feinde. Hinter die Kulissen kann man als Gast allerdings selten einen Blick werfen.
Der Schauspieler Clo Bisaz hatte ein Leben vor dem Theater. Bevor er sich auf die Bühnenbretter wagte, stand er auf glitschigem Boden und bekochte Hotelgäste aus aller Welt. Als Concierge Giacometti, der von der Réception des Parkhotels aus alles beobachtet und überblickt, die Stimmen und Geräusche des Hauses kennt und um die Wünsche und Marotten der Gäste weiss, lässt Bisaz nun Erinnerungen und Gäste passieren und macht uns mit schrägen Vögeln und bunten Hunden bekannt. Giacometti ist verschwiegen und gibt doch diskret alle Geheimnisse preis. Und sollte ihm einmal etwas entgangen sein, hat es bestimmt der Pianist Jeremy mitbekommen. Dessen Finger tanzen wie von selbst über die Tasten und lassen seine Augen flanieren.
Giacometti erzählt von jenen, die mit ihm im Untergeschoss geschuftet und in Dachkammern gehaust hatten. Von Doledo da Silva zum Beispiel, dem notorischen Hochstapler, Frauenverführer und messerwerfenden Casserolier, der vor noch nicht allzu langer Zeit das Haus verlassen hat, oder vielmehr verlassen musste. Giacometti gibt Doledos Episoden und Eskapaden zum Besten. So erfahren wir von Doledos Weggefährten und Widersachern während seiner Zeit im Parkhotel. Und von Maria, die für die Belegschaft kochte, mit Herz, aber ohne Firlefanz, bei der Doledo Trost fand.
Und nicht zuletzt stellt Giacometti uns die Gäste vor, die - arrogant, anhänglich, schrill, schrullig, dubios, burschikos, knausrig, kränkelnd, überschwänglich, unterwürfig, schüchtern, scheinheilig, begleitet von Hunden, Söhnchen, Liebhabern und Schwiegermüttern – das Parkhotel bevölkern. Der Concierge kennt die Details. Der Pianist schweigt diskret.
Dieser Aspekt wird dem Abend zusätzlichen Reiz und Witz verleihen – Bisaz agiert vortrefflich. An seiner Seite ist ihm der aus Baden gebürtige Pianist Philippe Kuhn ebenbürtig. Unaufdringlich und doch wohltuent omnipräsent entlockt Kuhn den schwarz-weissen Tasten leichte Ohrwürmer, um zwischendurch immer mal wieder die dramatischen, temporeichen Sequenzen der Geschichten musikalisch zu untermalen.
Allora, kommt vorbei und verbringt einen höchst entspannenden und musischen Wellness-Abend im Fünfsternhotel. Mit oder ohne Schmuddelgeschichten. Ihr werdet anschliessend die Lobby erfrischt und schmunzelnd wieder verlassen. Ich schwör. Und ein Bierchen offeriere ich euch auch. Versprochen.
Doledo da Silva - Geschichten aus der Hotellobby wird unterstützt von Pro Argovia, aargauische Kulturstiftung für die Förderung von Kultur und Wissenschaft.
PRO ENDIVELD: Geschichten aus der Hotellobby, Freitag, 15. März 2013, 20.00 Uhr in der Aula im Oberstufenschulhaus, 5035 Oberentfelden, Eintritt CHF 22.00 (für PRO ENDIVELD-Mitglieder CHF 17.00)
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